Marlow (Stadt)

Am westlichen Abhang des eiszeitlichen Urstromtals, das Mecklenburg und Vorpommern seit Jahrhunderten trennt und von der Recknitz durchzogen wird, liegt Marlow. Wer aus dem Tal von Vorpommern her kommt, genießt einen weiten Blick auf die Stadt, deren Häuser sich an den Hang schmiegen. Kirchturm und Rathaus ragen dabei markant hervor.
Erste schriftliche Hinweise auf Marlow stammen aus dem Jahr 1179, auch wenn diese datierungstechnisch umstritten sind. 1210 wird die Belehnung des Schlosses Marlow an Heinrich von Bützow und seine Familie erneut bestätigt. 1218 unterzeichnet Thetlev von Bützow als Burgherr die Gründungsurkunde von Rostock. Um diese Zeit dürfte auch die Marlower Kirche entstanden sein, die romanische und frühgotische Elemente vereint. 1248 wird erstmals ein Geistlicher für Marlow genannt. Trotz früher Entwicklung erhielt Marlow erst 1298 den Status eines Städtchens.
In den folgenden Jahrhunderten wechselte Marlow mehrfach als Pfand zwischen den Landesherren. Zwischen 1301 und 1325 gehörte die Stadt zu Dänemark, später war sie oft Teil gräflicher Lehen. Erst 1768 erwarb die Herzögliche Kammer Marlow zurück. Besonders der Dreißigjährige Krieg traf die Stadt schwer. Pastor Joachim Küster berichtete, dass ihm dabei alles genommen wurde, insbesondere das Vieh. Auch die Kirche wurde 1638 geplündert.
1775 errichtete man ein neues Küsterhaus, das auch als Schule diente und bis heute erhalten ist. 1834 entstand ein zweiklassiges Schulhaus, das durch Umbauten stetig erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Zuzug von Vertriebenen zu Platzmangel, der erst mit einem Schulneubau 1964 gelindert werden konnte.
Die Recknitz bildete bis 1868 eine Zollgrenze. 1767 beschwerten sich schwedische Stellen über unerlaubten Viehhandel. Eine Brücke gab es erst ab 1855, zuvor war der Fährbetrieb reglementiert. Von großen Bränden blieb Marlow meist verschont. Lediglich 1795 zerstörte ein Feuer, ausgelöst durch Studenten, 19 Wohnhäuser.
Im 12. und 13. Jahrhundert kreuzte eine wichtige Handelsstraße die Recknitz bei Marlow, verlor aber mit dem Aufstieg von Sülze an Bedeutung. Erst mit dem Straßenbau 1855 lebte der Übergang wieder auf. Die wirtschaftliche Entwicklung Marlows erreichte um 1860 ihren Höhepunkt. Die Stadt zählte 2100 Einwohner, viele Handwerkerbetriebe und erhielt ein neues Rathaus.
1888 gründete sich eine Molkereigenossenschaft. Als die Fassproduktion für den Buttertransport nicht ausreichte, entstand 1891 die Fassfabrik Kossow & Levermann. Diese existierte bis 1959. 1992 erwarb der Ururenkel Friedemann Kunz das Unternehmen zurück und gründete ScanHaus Marlow, das heute zu den zehn größten Fertighausherstellern Deutschlands zählt.
Als einzige Stadt Mecklenburg-Schwerins erhielt Marlow keinen Bahnanschluss. Stattdessen übernahm ab 1904 ein Kraftwagendienst den Transport zum Bahnhof Dettmannsdorf-Kölzow. Ein eigenes Empfangsgebäude und eine Garage wurden gebaut.
1920 gründeten Berliner Sommergäste einen Verein zur Förderung Marlows als Ferienort. Ein geplantes Wasserversorgungsprojekt scheiterte 1931 an der Finanzierung. Erst 1961 begann der Bau einer städtischen Wasserleitung.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee am 1. Mai 1945 begann die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. Viele Einwohner hatten sich zuvor in den Wäldern versteckt, kehrten aber noch am selben Tag zurück.
Marlow heute
Heute heißt Marlow seine Gäste willkommen, unter anderem im 4-Sterne-Recknitztal-Hotel mit eigener Brauerei. Neben Ferienwohnungen bietet die Stadt auch dem Tagestourismus vielfältige Angebote.
Ein besonderes Ziel ist der Vogelpark Marlow. Mit über 250.000 Besuchern pro Jahr und begehbaren Volieren ist er einer der größten seiner Art. Auch Wasserwanderer und Radfahrer schätzen die naturnahe Umgebung der Stadt. Die Recknitz ist beliebt unter den Anglern und Paddlern und auch die Wald- und Feldwege bieten den Radlern im Sommer Schatten auf ihren Touren.